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Pressemitteilung 16. Februar 2026 | Kommunen und Land Hand in Hand

Pakt für Musikschulen untermauert das gesellschaftliche Erfordernis für eine umfassende Bildungsstruktur in Hessen

Am Freitag, den 13. Februar 2026 trafen der Vorsitzende der hessischen Landtagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen, Mathias Wagner und der Landesvorsitzende des Verbandes deutscher Musikschulen Hessen (VdM Hessen), Michael Eberhardt in der Musikschule Marburg mit der dortigen Vorsitzenden des Trägervereins, Frau Katrin Hensel und Musikschulleiter Eugen Anderer zum Informationsaustausch zusammen. Ausgangspunkt war die gemeinsame Verantwortung von Kommunen und Land für die dauerhafte Gewährleistung der Teilhabegerechtigkeit an musikalischer Bildung im Rahmen des aktuell bestehenden Paktes für Musikschulen. Hierbei kommt dem bevorstehenden Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz an Grundschulen in Hessen ab dem kommenden Schuljahr eine besondere Rolle zu.

In der Marburger Musikschule unterrichten 58 Musikehrkräfte rund 2500 Schülerinnen und Schüler. Davon werden etwa 1000 in 17 Kindertagesstätten und Schulkooperationen erreicht „Es ist absolut wichtig, dass alle Teile des Landkreises mit musikalischer Bildung durch öffentliche Musikschulen versorgt werden“, hob Eugen Anderer hervor, „wobei etwa 300 dieser Schülerinnen und Schüler indes aus umliegenden Gemeinden des Landkreises Marburg/Biedenkopf kommen. Hierzu planen wir regelmäßig Lehrkräfte nach Biedenkopf zu entsenden, die dort in den allgemeinbildenden Schulen unterrichten sollen. Dadurch werden erhebliche Fahrtkosten anfallen, die wir als Musikschule mitfinanzieren. Deshalb benötigen wir hierfür eine deutliche höhere Mitfinanzierung des Landkreises.“

Die Marburger Musikschule erweist sich somit als unersetzlicher Teil einer umfassenden Bildungsinfrastruktur, die in der Kooperation zwischen Musikschulen und allgemeinbildenden Schulen ihren praktischen Ausdruck findet. „Bereits heute bestehen hessenweit hunderte von Kooperationsprojekten – von Team-Teaching über Klassenmusizieren bis hin zu räumlichen Partnerschaften. Programme wie ¢ZusammenSpiel Musik¢ zeigen, dass nachhaltige Kooperationen gelingen können, wenn sie strukturell abgesichert und nicht nur projektbezogen gefördert werden. Auf diese Weise leisten öffentliche Musikschulen einen zentralen Beitrag zur Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Ganztagsplatz an Grundschulen und musikalische Bildung für alle“, erklärt Michael Eberhardt.

Mit dem Ausbau des Ganztagsangebots wächst die Verantwortung, von Anbeginn kulturelle Bildung strukturell mitzudenken. Die öffentlichen Musikschulen sehen dabei allerdings die Gefahr, dass insbesondere die Instrumental- und Vokalausbildung unter Druck gerät, wenn Kinder durch lange Schulzeiten faktisch keine Möglichkeit mehr haben, regulären Musikschulunterricht wahrzunehmen. Deshalb betonten die Vertretenden der Musikschulen die Notwendigkeit einer engen Verzahnung zwischen öffentlichen Musikschulen und allgemeinbildenden Schulen. Modelle zur Rhythmisierung des Schulalltags liegen seit Jahren vor: Sie sehen vor, Zeitfenster für kulturelle Bildung verbindlich in den Vormittag zu integrieren – etwa durch „auf Band gelegte“ Unterrichtsphasen in der zweiten oder vierten Stunde. Dafür könnte regulärer Unterricht teilweise in den Nachmittag verlagert werden. Ein solcher strukturierter Ansatz würde nicht nur musikalische Bildung sichern, sondern zugleich das Unterrichtsgeschehen insgesamt entzerren und den Schulalltag kindgerechter gestalten.

Beim Pakt für Musikschulen haben sich das Land Hessen und die Kommunen indes auf den Weg einer gemeinsamen verlässlichen Finanzierungsstruktur gemacht. Bis zum Jahr 2031 will hierbei das Land 12,5 % der Gesamtkosen der öffentlichen Musikschulen übernehmen, sofern die Kommunen ihren Anteil auf 35 % erhöhen. Dadurch wird perspektivisch eine deutliche Entlastung der Familien sowie eine tarifgerechte Bezahlung der Lehrkräfte ermöglicht.

Insbesondere im Hinblick auf die Kommunen richtet Michael Eberhardt seine Bitte an den Fraktionsvorsitzenden der hessischen Grünen, Mathias Wagner, die entsprechenden verantwortlichen Personen in den hessischen Städten Gemeinden und Landkreisen für das Thema der kommunalen Mitfinanzierung sensibilisieren und sich vor Ort für diesen wesentlichen Teil der Umsetzung der des Paktes für Musikschulen einzusetzen. Wagner unterstrich in diesem Zusammenhang: „Musikschulen sind keine beliebige freiwillige Zusatzleistung, sondern Teil des Bildungswesens. Wer Ganztag qualitativ gestalten will, muss daher musikalische Bildung strukturell stets mitdenken. Deshalb dürfen Ganztag und Musikschule auch kein Gegeneinander sein. Vielmehr kann Hessen mit klarer Finanzierung und struktureller Einbindung bundesweit Modellcharakter erreichen.“

Unter dem gemeinsamen Dach des VdM Hessen leisten die öffentlichen Musikschulen mit 115.000 Schülerinnen und Schülern und rund 30.000 Jahreswochenstunden Unterricht einen zentralen Beitrag zur kulturellen Bildungslandschaft. Gleichzeitig bestehen bei der kommunalen Förderung noch erhebliche Unterschiede: Ein Großteil der Einrichtungen liegt deutlich unter dem angestrebten Finanzierungsanteil. Bislang bilden die hessischen Kommunen im Bundesvergleich bei der Musikschulförderung weiterhin das absolute Schlusslicht!

Weitere Informationen:

Verband deutscher Musikschulen, Landesverband Hessen e.V.
Dr. Hans-Joachim Rieß (Landesgeschäftsführer)

Rheinstraße 111
65185 Wiesbaden

Fon.: (0611) 341 868 60
Fax.: (0611) 341 868 66

E-Mail: buero@musikschulen-hessen.de
Internet : www.musikschulenhessen.de


Die Pressemitteilung als pdf

Öffentliche Musikschule. Wir sind unser Geld wert.

In Hessen arbeiten knapp 70 öffentliche Musikschulen, in Stadt und Land. Fast 3.000 Lehrkräfte unterrichten nahezu 115.000 Schülerinnen und Schüler im Einzelunterricht und im Gruppenunterricht, in Bands, Ensembles und Chören, in der Musikschule und in allgemein bildenden Schulen.

Ja, unsere Arbeit kostet Geld. Wir bezahlen unsere Lehrkräfte, allesamt hochqualifizierte Musikpädagoginnen und Musikpädagogen. Wir bezahlen die Miete für unsere Unterrichtsräume, wir kaufen und pflegen Instrumente, wir bezahlen unsere Noten, wir stemmen pro Jahr mehrere 1.000 Konzerte – vom Vorspiel in unseren Musikschulen bis zu großen öffentlichen Auftritten unserer Schülerinnen und Schüler.

Die Eltern unserer Schülerinnen und Schüler und diese selbst bezahlen den Löwenanteil unserer Arbeit. Unsere Schülerinnen und Schüler bezahlen zwischen 61% und 80% der Gesamtkosten ihrer öffentlichen Musikschule. Land und Kommunen bezuschussen unsere Arbeit mit lediglich 20% bis 36%. So wunderbar das ist, dass die öffentlichen Musikschulen in Hessen ihren Schülerinnen und Schüler so viel wert sind, so schade ist es, dass eben doch der Geldbeutel entscheidet, wer bei uns ein Instrument und Singen lernen kann.

Wir – die öffentlichen Musikschulen in Hessen – erreichen mit jedem Euro öffentlicher Mittel knapp fünf Schülerinnen und Schüler in Hessen. Zum Vergleich: im Bundesschnitt sind das nicht mal drei Schülerinnen und Schüler. Das liegt an zweierlei: die öffentlichen Musikschulen in Hessen erhalten signifikant weniger öffentliche Zuschüsse für ihre Arbeit. Und die öffentlichen Musikschulen in Hessen arbeiten deutlich produktiver als der Bundesschnitt.

Darauf sind wir nicht stolz, doch eines muss gesagt werden: wir wollen mit unserer Arbeit möglichst viele Menschen mit qualifiziertem Musikunterricht erreichen und dafür legen wir uns ins Zeug. Sehr gerne würden wir mit unserer Arbeit noch mehr Menschen erreichen, auch die, die es nicht so dicke haben. Ihre öffentlichen Musikschulen sind ihr Geld wert.

Die Beiträge unserer Kampagne 2019 nach Themenfeldern sortiert

Mehr Infos zur prekären Finanzlage auf unserer Website

Die Urheberrechte und Nutzungsrechte der Kampagne 2019

Unsere Arbeit

Wir beraten die öffentlichen Musikschulen und ihre Träger – in Pädagogik, Organisation und Verwaltung.

Wir vertreten die Belange der öffentlichen Musikschulen – bei Behörden, Berufsverbänden und Organisationen.

Wir pflegen die Zusammenarbeit: Mit Ministerien, kommunalen Spitzenverbänden, Fachverbänden, allgemein bildende Schulen, Ausbildungsstätten für Musikberufe, Laienmusikverbänden, kulturellen Einrichtungen.

Wir initiieren, erproben und entwickeln neue musikpädagogische Modelle für unsere Musikschulen.

Wir erarbeiten Konzepte für die Fortbildung und die Weiterbildung – für Lehrkräfte, für Leiterinnen und Leiter von unseren Musikschulen.

Wir unterstützen den Erfahrungsaustausch – mit Workshops, Tagungen, Symposien, Kongressen.

Wir informieren die Öffentlichkeit über die Inhalte, Tätigkeit und Anliegen unserer Musikschulen.

Wir sind Träger der Servicestelle Musikerziehung Hessen.

Wir verwalten treuhänderisch die Fördermittel des Landes für unsere Musikschulen.

Der VdM Hessen finanziert sich durch Fördermittel des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, durch Eigenmittel, Sponsoren und Mitgliedsbeiträge.

Öffentliche Musikschulen

Wir organisieren das Zusammenspiel von 67 öffentlichen Musikschulen. Öffentliche Musikschulen sind staatlich und kommunal gefördert. Einige öffentliche Musikschulen sind Einrichtungen der Kommune (Stadt, Gemeinde, Kreis). Viele öffentliche Musikschulen sind eingetragene Vereine und arbeiten gemeinnützig. Alle öffentlichen Musikschulen arbeiten ohne die Absicht, Gewinn zu erzielen.